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Die geringe Eigentumsquote führt zu hohen Vermögensunterschieden

11.

Juli 2019

Der steile Preisanstieg in den vergangenen Jahren hat das Vermögen vieler Immobilienbesitzer deutlich ansteigen lassen. Allein zwischen 2011 und 2018 ist das Vermögen deutscher Hauseigentümer inflationsbereinigt um 2,8 Billionen Euro gestiegen, wie die Ökonomen Till Baldenius, Sebastian Kohl und Moritz Schularick gerade in einer Studie errechnet haben (Quelle: www.faz.net). Was eigentlich eine gute Nachricht ist, birgt allerdings auch ein Problem – denn der große Vermögenssprung kam nur einer kleinen Anzahl an Haushalten zugute.

Rund 1,5 Billionen Euro und somit mehr als die Hälfte entfiel lediglich auf die reichsten zehn Prozent der Deutschen, wohingegen die ärmere Hälfte praktisch gar nicht von der Wertsteigerung profitierte (Quelle: www.macrohistory.net). Grund für dieses Ungleichgewicht ist insbesondere die niedrige Wohneigentumsquote.  

In anderen Ländern profitiert auch die Mittelschicht

Nur 45 Prozent der deutschen Haushalte leben in den eigenen vier Wänden (Quelle: www.lbs-markt-fuer-wohnimmobilien.de). Diese Quote, die im europäischen Vergleich zu den niedrigsten gehört, stagniert seit Jahren, trotz vieler politischer Beteuerungen, die Eigentumsbildung ankurbeln zu wollen. Dabei ist Wohneigentum ein wichtiger Bestandteil der privaten Vermögensbildung – wie die Studie zur Vermögensverteilung nun erneut bewiesen hat.

Die Studienautoren machen darauf aufmerksam, dass, während in Deutschland nur eine Minderheit von den Immobilienpreisanstiegen profitiert, in Ländern mit einer höheren Eigentumsquote wie den Vereinigten Staaten die Wertzuwächse auch der Mittelschicht viel stärker zugutekommen. Das führt dazu, dass die finanzielle Ungleichheit in diesen Ländern – anders als in der Bundesrepublik – tendenziell zurückgeht.  

Kein politisches Interesse an Eigentumsförderung

Doch man muss nicht gleich über den Atlantik schauen, um den vermögensteigernden Wert von Wohnimmobilien zu erkennen, sondern auch ein innerdeutscher Regionalvergleich macht dies deutlich. So fiel der Studie zufolge mehr als die Hälfte des Vermögenszuwachses deutscher Hauseigentümer zwischen 2011 und 2018 auf die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg – dabei lebt gerade einmal rund ein Viertel der Deutschen in diesen beiden Bundesländern. Dass Bayern und Baden-Württemberg zu den Bundesländern mit der höchsten Wohneigentumsquote gehören, erklärt diese ungleiche Verteilung innerhalb Deutschlands.

Diese Ungleichheit wird nach Ansicht der Autoren noch länger wachsen, denn das preistreibende Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt wird voraussichtlich fortbestehen – bis 2030 rechnet die Studie mit einem Mangel von knapp einer Million Wohnungen. Die Preise dürften also weiter steigen, und es sieht aktuell auch nicht danach aus, als würde sich an der niedrigen Wohneigentumsquote bald etwas ändern. Die Bundesregierung hat zwar das umstrittene Baukindergeld eingeführt, zeigt ansonsten aber kein Interesse daran, mit politischen Maßnahmen wie beispielsweise einer Befreiung von der Grunderwerbsteuer Wohneigentum für größere Bevölkerungsteile erreichbar zu machen.

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