Finanzierung

Bleiben die Zinsen noch jahrzehntelang auf niedrigem Niveau?

02.

Januar 2020

Während alle lange Zeit davon ausgingen, dass die Europäische Zentralbank das Zinsniveau spätestens 2020 langsam wieder anheben würde, haben die Zentralbanker die Zinswende angesichts der schwächelnden Konjunktur erst einmal wieder abgesagt – und stattdessen ihre Geldpolitik sogar noch einmal gelockert. Beim Immobiliendienstleister Savills geht man deshalb davon aus, dass nicht vor 2022 mit steigenden Zinsen zu rechnen ist. Es sei darüber hinaus möglich, dass es noch Jahrzehnte dauern könnte, bis in der Eurozone wieder ein Zinsniveau erreicht wird, das vor der Finanzkrise als normal galt (Quelle: www.savills.de).

Für den deutschen Immobilienmarkt würde das bedeuten, dass sich die Nachfrage noch für sehr lange Zeit auf hohem Niveau bewegen beziehungsweise dass sie sogar noch steigen könnte. Savills erwartet, dass viele Investoren, die vor allem auf laufende Erträge abzielen, Kapital aus dem Anleihesegment in Immobilien umschichten werden. Auch JLL weist darauf hin, dass 2020 zehnjährige europäische Staatsanleihen mit einem Volumen von 127 Milliarden Euro auslaufen werden – und dass sich im aktuellen Niedrigzinsumfeld der Immobilienmarkt nach wie vor als Anlageziel für das frei werdende Kapital anbietet (Quelle: www.welt.de).  

Deutschland jetzt zweitgrößter Immobilienmarkt

2019 ist das Immobilientransaktionsvolumen in Deutschland JLL zufolge zwar um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Doch sei dies insbesondere auf das knappe Angebot zurückzuführen. Das Transaktionsvolumen in Höhe von 77 Milliarden Euro (dies beinhaltet unter anderem Gewerbe-, Wohn-, Spezial-, Pflegeimmobilien) liegt demnach weiterhin fast 50 Prozent über dem zehnjährigen Mittel. Deutschland ist 2019 außerdem zum zweitgrößten Immobilienmarkt der Welt aufgestiegen und hat Großbritannien somit überholt (Quelle: www.presseportal.de).

Gestiegen sind 2019 in Deutschland die Wohnungsmieten – und zwar zum 15. Mal in Folge, wie Savills betont. Eine Trendwende sei nicht zu erkennen, auch wenn das Wohnungssegment besonders stark von Regulierungen betroffen ist. Bei Savills heißt es, dass die wohnungspolitischen Maßnahmen nicht dazu geeignet seien, das Wohnungsangebot zu erhöhen, sondern dass sie den Wohnraummangel eher noch verschärfen werden. Andere Maßnahmen wie das Baukindergeld wirkten zudem nachfragefördernd. „Unter dem Strich hat die derzeitige Wohnungspolitik wohl einen zyklusverlängernden Effekt“, bilanzieren die Savills-Experten.

Als weiteres Risiko wird eine mögliche Rezession identifiziert, die den Superzyklus auf dem Immobilienmarkt beenden könnte. Von einer Rezession geht man bei Savills allerdings nicht aus; zwar werde die Wirtschaft in Deutschland künftig nicht mehr stark wachsen wie in den Vorjahren, aber schrumpfen werde sie nicht.

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