Finanzierung

Der Leitzins

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23.

November 2021

Der Leitzins

Egal ob bei Wohnkrediten, Anleihen oder beim Sparen – überall spielt der Zins eine Rolle. Zur Vorgabe hierfür dient der Leitzins. Dieser wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegt. Damit hat die EZB maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftslage, die Inflation und den Währungskurs.

Wie funktioniert der Leitzins?

Zunächst bestimmt der Leitzins, wie hoch die Zinszahlungen für Geschäfts- und Kreditbanken sind, die bei der EZB Geld leihen möchten – es handelt sich dabei um den Hauptrefinanzierungssatz. Den entsprechenden Zinssatz hierfür bestimmt das oberste Beschlussorgan – der EZB-Rat. Die Festlegung und die Verkündung erfolgen jeweils zu ausgewählten Zeitpunkten und in regelmäßigen Abständen. Ausgenommen hiervon sind Notfälle. Da es zur Aufgabe der Zentralbanken gehört, mit dem Leitzins das Preisniveau vor zu starken Schwankungen zu bewahren, kann es auch bei wirtschaftlichen Einbrüchen zu notfallbedingten, also irregulären Zinsveränderungen kommen.

Obwohl der Begriff Leitzins oft im Sinne eines bestimmten Zinses fällt, gibt es insgesamt drei verschiedene Arten des Leitzinses. Neben dem Hauptrefinanzierungssatz gibt es den Spitzenrefinanzierungssatz und den Einlagesatz. Der Spitzenrefinanzierungssatz gibt an, zu welchem Zinssatz eine Geschäftsbank einen Kredit bei der EZB erwerben kann, wenn diese Transaktion über Nacht erfolgen soll. Der Einlagesatz dagegen beschreibt den Zins, zu welchem Banken ihr Geld bei der EZB anlegen können. Grundsätzlich handelt es sich bei allen drei Formen um Leitzinsen. In der Regel ist jedoch mit dem Begriff des EZB-Leitzinses der Hauptrefinanzierungszins gemeint.

Der Leitzins und die Wirtschaft

Der Leitzins wird dem Ziel festgelegt, durch eine niedrige Inflationsrate das Preisniveau zu stabilisieren. Denn wenn die Zinssätze niedrig liegen, sind die Banken in der Lage, günstigere Kredite zu erwerben. Andererseits können vermehrt Kredite an Unternehmen ausgegeben werden. Insgesamt wird dadurch das Investitionspotenzial angeregt. Ein Nebeneffekt: Sparer bekommen für das Anlegen ihres Geldes keine hohen Zinszahlungen. Da der Leitzins allerdings oft als Referenzzinssatz genommen wird, beispielsweise für Wohnkredite mit variablen Zinssätzen, steigen und fallen diese parallel mit den Änderungen des Leitzinses. Auf diese Weise möchte die EZB die Menschen anregen, das Geld auszugeben und damit die Wirtschaft zu stärken. Gleichzeitig gerät mehr Geld in Umlauf, sodass es an Wert verliert und die Preise schnell steigen können. Um diesem Vorgang entgegenzuwirken, werden die Zinsen erhöht, sodass die Banken allgemein weniger Geld zur Verfügung haben und das Sparen wieder lohnenswerter wird.

Aktuell steuert die EZB eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Derzeit liegt sie in Deutschland bei 4,5 Prozent. Darum beschloss die EZB, den Leitzins von 0,0 Prozent weiterhin beizubehalten. Der Einlagezins wurde auf minus 0,5 Prozent festgesetzt. Für Kredite über Nacht werden 0,25 Prozent Zinsen fällig. Ob dieser Trend allerdings, wie von der EZB angenommen, nur mittelfristig anhalten wird, bleibt abzuwarten. Langfristig soll mit diesen Maßnahmen ein schneller Weg aus der Coronakrise befördert werden.

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