Nicht nur weil die Immobilienpreise immer weiter steigen, sondern auch weil sich der Höhepunkt der jüngsten Finanzkrise kürzlich zum zehnten Mal jährte, wird derzeit wieder einmal verschärft über eine mögliche Immobilienblase diskutiert. Am 15. September 2008 meldete die US-Bank Lehman Brothers Insolvenz an, was enorme Folgen für das weltweite Finanzsystem hatte. Einer der Auslöser der Finanzkrise war das Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten. Droht Ähnliches auch auf dem deutschen Markt? Die KfW jedenfalls sieht keine bundesweite Preisblase, wie sie gerade mitteilte (Quelle: handelsblatt.com). Zwar sind die Kaufpreise hierzulande in den vergangenen Jahren kräftig angestiegen, doch erkennt die Förderbank deutliche Unterschiede zwischen der aktuellen Situation in Deutschland und vergangenen Immobilienblasen in den USA, Spanien oder Irland (Quelle: kfw.de).
Einerseits sind die Kaufpreise in Deutschland der KfW zufolge im Verhältnis zu den Wohnungsmieten und den Haushaltseinkommen derzeit geringer als im langfristigen Mittel. Andererseits ist der Schuldenstand der deutschen Haushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt relativ gering und seit Jahren sogar abnehmend. In den USA, Spanien und Irland lag jeweils vor Ausbruch der Krise eine deutlich höhere Schuldenquote vor. Zudem macht die KfW darauf aufmerksam, dass der Bausektor in Deutschland trotz der Zunahme der Bauaktivitäten keinen überproportionalen Anteil an der Wirtschaftskraft ausmacht. Voraussichtlich sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehen 2018 auf Wohnungsbauinvestitionen zurück; in Spanien und Irland war der Anteil während der Immobilienblasen doppelt so hoch. Und selbst in Deutschland war der Anteil des Bausektors während der Nachwendejahre höher als heute, wie die KfW mitteilt.
Auch Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, wies neulich in einem Handelsblatt-Interview darauf hin, dass die Finanzierung der Immobilieninvestitionen in Deutschland solide aufgestellt sei (Quelle: handelsblatt.com). Mit der Finanzkrise 2008 ist die Situation nach Fratzscher daher nicht zu vergleichen. Auch eine flächendeckende Preisblase könne er im Immobiliensektor nicht erkennen. „Im Großen und Ganzen ist der Markt gesund“, meint Fratzscher, der Preisanstieg sei in der Regel fundamental begründet. Um dem kräftigen Preisanstieg insbesondere in den Ballungsgebieten zu begegnen, hält Fratzscher die Mietpreisbremse, die die Große Koalition noch verschärfen will, übrigens für ungeeignet. Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt lassen sich Fratzscher zufolge nur durch ein höheres Angebot verbessern, beispielsweise durch mehr Bauland, schnellere Genehmigungsverfahren und eine „Verdichtung in den Städten“.